Vitezslav Farny wurde am 29. Oktober 1953 in Prostejov (Tschechische Republik) geboren. Noch während des Studiums an der Gewerbemittelschule für Film in Cimelice begann er als Kameraassistent beim Tschechoslowakischen Fernsehen. Heute arbeitet er als Kameramann des Tschechischen Fernsehens.
Sein erstes Bild malte er 1995. "Ich hatte einfach Lust dazu," antwortet er auf die Frage, weshalb er sich nach zwanzig Jahren Arbeit als Kameramann entschieden hat, den Pinsel in die Hand zu nehmen. "Hinter der Kamera wird man im Grunde ständig zu etwas gezwungen und manipuliert. Raum, Akteure und Grundgedanke sind vorausbestimmt, während ich beim Malen allein bleibe und nur durch die eigene Vorstellungskraft begrenzt bin.. Als Kameramann habe ich bisher Bilder nur aufgenommen, jetzt bemühe ich mich, sie zu schaffen." Selbst charakterisiert sich V. Farny als Optimist, der Zufriedenheit verspürt, wenn es ihm gelingt, das Schöne nicht nur auf sein eigenes Gemälde, sondern mittels ihm auch hinaus, in den Raum rings um das Werk zu übertragen. "Ich will keine Traurigkeit und Enttäuschung in die Bilder projizieren, die ich wie jeder normale Mensch von dieser Welt ab und zu verspüre. Ich weiß, dass ich mir selbst zu Hause an die Wand nicht noch eine weitere Depression hängen würde," sagt er. Die Bilder schöpfen ihre Themen aus zufälligen Momenten seines eigenen Leben und machen deren Vergänglichkeit zur Konstante. "In die Bilder lege ich meine eigenen Erinnerungen. Ich male keine konkreten Dinge, sondern Stimmungen, Erscheinungen. Gern würde ich einen Blick in das Gefühl einer bestimmten Wirklichkeit werfen. Ein Bild hat nämlich die Kraft, einen Momenteindruck festzuhalten und aufzubewahren, einen Gedankenzustand, der sonst im Leben verloren ginge, durch Anderes verdrängt werden würde. Ich erinnere mich, wie ich eines Morgens am Rand einer Wiese am Wald saß. Es war gegen Frühlingsende, alles war noch sattgrün, das Gras stand hoch, ungemäht. In einem Moment stemmte sich der Wind ein wenig stärker gegen die Wiese und auf einmal schien es eine Explosion zu geben. In die Luft erhob sich ein Wolke von Blütenstaub und Samen, zwischen denen Unmengen umherfliegender Insekten schwirrten und ich wurde mir bewusst, dass ich eigentlich inmitten einer monströsen Kopulation von Bäumen, Pflanzen, Käfern und Gott weiß was noch alles stehe und dass ich eine Riesenfreude daran habe. Eine Freude, dass die Welt noch immer normal funktioniert. Im Atelier habe dann versucht, dies auf die Leinwand zu bringen. Nicht etwa die Kopulation, sondern diese Euphorie, dieses Gefühl, das in diesem Augenblick über mich kam. Und davon sprechen meine Bilder." Paradoxerweise ist das einzige erkennbare Symbol, das in den Motiven von V. Farny auftritt, das Symbol des Todes. Es hat keine konkrete Gestalt, trotzdem lässt sich seine Anwesenheit unter den übrigen Symbolen ahnen. Der Autor selbst erklärt dies so: "Der Tod wird für mich durch die Farben Violett und Grün charakterisiert. Die christliche Kultur begreift das Violett als Symbol der Demut und Hochachtung, das Grün dagegen als Symbol der Wiedergeburt. Anders gesagt: wir fürchten uns vor dem Tod und deshalb hoffen wir auf eine neue Wiedergeburt." Im Unterschied zu den Motiven sucht er nicht lange nach den Namen seiner Bilder. "Der Name ist eigentlich im voraus gegeben und ergibt sich aus dem Thema. Um die Wahrheit zu sagen, gebe ich den Bildern aber nur ungern konkrete Namen. Bilder sind nämlich in der Lage, zu kommunizieren und jeder kann etwas anderes aus der Leinwand herausspüren. Etwas, was seinem eigenen Erlebnis und seiner Blickweise näher kommt. Wichtig ist gerade dieser Moment, wenn ein Bild den Menschen anspricht. In diesem Augenblick kann man sagen, dass das Bild mehr ist, als nur eine Farbkomposition. Zu meinen Bildern habe ich eine persönliche Beziehung und ich trenne mich ungern von ihnen. Das Entstehen eines Bildes bis zu seiner endgültigen Gestalt nehme ich als Dialog zwischen mir und der Leinwand wahr. Es kommt vor, dass ich ein bereits entfaltetes Motiv verlasse und auf seiner Fläche entsteht ein völlig neues Bild. Eine Leinwand verbirgt so eigentlich mehrere Geschichten, von denen nur ich etwas weiß. Die Kunstwerke von V. Farny rufen nicht den Eindruck von Gespaltenheit oder umgekehrt einer Explosion hervor. Ihre Emotivität ist eher in den Details enthalten, in den einzelnen Übergängen von Stimmung zu Stimmung. Gerade die Verspieltheit, mit der der Autor mit den Bedeutungen der einzelnen Farben spielt, ist das bestimmende Moment für die Stimmung seiner Bilder. "Ich kann nicht malen, wenn ich große Freude oder große Trauer verspüre. Ich muss mich ausgeglichen fühlen. Vor allem male ich für mich selbst, zum eigenen Vergnügen und wenn jemand anders ähnliche Gefühle beim Betrachten meiner Bilder hat, so freut mich das.
Text von Robert Sedlacek